Ehrenmünze für Stiftungsmitglieder

Ehrenmünze für Stiftungsmitglieder

Verdienste für Afrikastudien mit der Münze des Ezana

Mit einer originalgetreu gestalteten Münze aus dem 4. Jahrhundert ehrt die DeutschÄthiopischeStiftung langjährige Förderer und Unterstützer

Herr Professor Uhlig, Sie haben für die DeutschÄthiopischeStiftung eine originalgetreue Münze prägen lassen, mit der Sie verdiente Förderer ehren. Was genau macht Ihre Stiftung?

Wir sind eine gemeinnützige Stiftung, und das seit 22 Jahren. Gegründet haben wir sie 1999 an der Universität Hamburg mit dem Ziel, junge Afrikaner, die zum Studium nach Deutschland kommen,  während ihres Studiums und danach zu fördern, insbesondere, um sie zur Promotion zu führen.

Worauf kommt es Ihnen besonders an?

Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe, und das heißt: Wir fördern engagierte, gut ausgebildete Führungskräfte, Akademiker, die sich langfristig der Weiterentwicklung Nordostafrikas verschreiben. Konkret: Wir geben jungen Äthiopierinnen und Äthiopiern, die zu Hause einen Hochschulabschluss erworben haben, die Chance, mittels einer speziellen Promotionsausbildung in Deutschland ihren Doktorgrad zu erwerben und wir erwarten, dass sie nach ihrem Abschluss in ihre Heimat zurückzukehren, um sich am Aufbau des Landes zu beteiligen.

Wie finanzieren Sie die Stiftungsarbeit?

Auf der Suche nach finanziellen Hilfen haben damals zunächst – in einem ersten Schritt – einige Professoren Geld für die Unterstützung zusammengelegt. Daraus ist die Idee der Stiftung erwachsen, die ich dann aus Anlass meines 60. Geburtstages gegründet habe. Im Laufe der Zeit haben wir daraus eine eigenständige Stiftung bürgerlichen Rechts entwickelt. Wir unterstützen verschiedene Projekte, konzentrieren unsere Fördermöglichkeiten aber auf die akademische Ausbildung. Wir haben ein nicht alltägliches Modell der Finanzierung entwickelt; Stiftungsfinanzierung ist ein schwieriges Unterfangen. Die Bereitschaft zu spenden, ist bei Projekten wie „Wasser für Afrika“ leichter als bei Projekten, die mit weiter Perspektive und langem Atem zu tun haben – oder wie in unserem Fall, mit der jahrelangen Förderung junger Leute, die zurückgehen nach Afrika, um ihre Region aufbauen zu helfen. Das ist für Institutionen und Privatförderer weniger greifbar.

Für welches Modell haben Sie sich entschieden?

Wir fragen Privatpersonen, ob sie der Stiftung für eine gewisse Zeit ihr Geld, zum Beispiel ihre Altersrücklage, zur Verfügung stellen, die wir als ein spezielles Darlehen an erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen verleihen – dies natürlich absolut abgesichert. Die Zinsen, die wir dafür bekommen, fließen zu einem erheblichen Teil in die Stiftung. Für dieses Modell konnten wir eine Reihe von Persönlichkeiten gewinnen, die sich bewusst dafür entschieden haben, ob mit ihren finanziellen Zuwendungen oder mit Überlassung erheblicher Zinsbeträge, die der Stiftung zugutekommen. Diese Menschen möchten wir auszeichnen und zugleich der Öffentlichkeit demonstrieren, welch Engagement im Stillen geleistet wird.

Wie sind Sie auf die originalgetreu nachgeprägte Münze als Auszeichnung gekommen?

Die Münze gehört seit Gründung der Stiftung zu unserem Logo. Sie prägt unsere Webseite, den Briefkopf – sie ist unser Symbol. Da lag es nahe, sie als sichtbares Element auch bei einer öffentlichen Ehrung einzusetzen. Wenn wir großzügige Förderer auszeichnen, wollen wir nicht nur eine simple Urkunde überreichen. Wir wollen etwas überreichen, das man anfassen und zeigen kann und das einen konkreten und besonderen Bezug zu Tätigkeit und Inhalt der Stiftung hat.

Sie mussten also nicht lange suchen, sondern hatten die Münze schon vorliegen. Die Anmutung ist antik – was ist das für eine Ehrenmünze?

Die alte Münze stammt aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., aus der Regierungszeit eines echten Königs in Äthiopien namens Ezana.

Antike Ehrenmünze

Dessen Reich umfasste damals das heutige Eritrea, Teile Äthiopiens und angrenzende Gebiete.Die Münzen seiner Zeit erzählen eine spannende Geschichte, zum Beispiel die, dass er das Christentum annahm und zum Herrscher eines mächtigen Reiches wurde. So zeigen die frühen Prägungen Sonnenscheibe und Halbmond, die späteren das christliche Kreuz.

Hatten Sie schon Gelegenheit, die Münze als Auszeichnung zu übergeben?

Anlässe gab es. Ursprünglich wollten wir im Anschluss an die Sitzung unserer Stiftungsgremien von Vorstand und Kuratorium im November 2020 die ersten Ehrungen vornehmen. Aber Corona verhinderte das, und so haben wir er verschoben auf das Frühjahr 2021; jetzt verschieben wir es nochmals auf den Spätherbst des Jahres 2021.

Inwiefern hat die Corona-Krise die Arbeit Ihrer Stiftung beeinträchtigt?

Ganz erheblich. Nach 21 Jahren eiserner Disziplin bringen wir die Finanzmittel auf und errichten mit der Universität Hamburg eine Stiftungsprofessur für sechs Jahre – das ist ein wichtiges Förderziel, auf das wir lange hingearbeitet haben. Die internationale Ausschreibung der Professur beginnt nun im ersten Halbjahr 2021. Die Pandemie hat unsere Pläne heftig durcheinandergebracht. Wir wollten im Herbst 2020 das Verfahren zur internationalen Besetzung der Professur beginnen, aber das war leider nicht möglich.

Mit der neuen Stiftungsprofessur für Gegenwartsfragen Nordostafrikas will die Stiftung zeigen, dass die Afrikastudien sehr viel mehr Potenzial zu bieten haben, als es auf den ersten Blick scheint. Worauf wollen Sie mit der Stiftung aufmerksam machen und wie wird das auf der Münze als Auszeichnung zum Ausdruck gebracht?

Wir verfolgen das Ziel, Stipendien und Studienbeihilfen an junge Leute zu vergeben, Forschungsvorhaben zur afrikanischen Kultur zu unterstützen und – falls wir dies finanziell leisten können – uns vielleicht auch an der Rettung der einmaligen Kulturgüter der Region zu beteiligen. Wir wollen aber vor allem die großen Herausforderungen der afrikanischen Gegenwart ins Zentrum rücken, weit über die Sprach- und Kulturthemen hinaus. Seit Jahrzehnten besteht eine Professur für Äthiopienstudien, die sich vorwiegend mit historischen Fragestellungen beschäftigt: Literatur, Sprache, Geschichte, Religion. Die Geschichte Äthiopiens reicht Jahrtausende zurück – hier entstand beispielsweise die älteste afrikanische Kirche (abgesehen von der zur Mittelmeerkultur gehörenden Koptischen Kirche), wie die Münze des Ezana dokumentiert. Das wird im Rahmen der bestehenden Professur behandelt. Was uns fehlt – und da befinden wir uns mit vielen orientalisch-afrikanisch-asiatischen Studiengängen im selben Boot –, sind Studiengänge, die sich mit der brandaktuellen Lage vor Ort auseinandersetzen.

Was wäre das zum Beispiel?

Fragen, die sich aus der jüngeren Geschichte bis in die Gegenwart auswirken, der Kolonialismus und seine Folgen, die ethnischen Auseinandersetzungen, die die positiven Perspektiven in allen Bereichen verhindern, aber auch die Entwicklung der Infrastruktur, die alle über die Zukunft entscheiden. Wir wollen eine zweite Säule schaffen für die akademische Ausbildung – und dies muss in allen wichtigen Orient- und Afrikawissenschaften gelingen – und uns mit den aktuellen Herausforderungen befassen. Wir sind von der zentralen Bedeutung dieser Entwicklung überzeugt, denn wir wollen mit dazu beitragen, dass sich Afrika weiter entwickeln kann und dass dafür eine Führungsschicht heranwächst, die mit ihrer Arbeit die Region in die Zukunft führt.

Weitere Informationen unter :

facebook.com/DAeS.Hamburg  

http://daes.info/

Nachprägung für Museum

Museum lässt Münze nachprägen

Eine Münze und ihre Geschichte

Für seine Ausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ ließ das Deutsche Historische Museum Berlin die „Passmarke Swakopmund“ nachprägen.

Anfassen erlaubt – dank einer Kopie können Besucherinnen und Besucher die Messingmarke „Passmarke Swakopmund“ an der Inklusiven Kommunikations-Station im Deutschen Historischen Museum Berlin (DHM) erfühlen. Das Original selbst, das ebenfalls in der Ausstellung hinter Vitrinenglas präsentiert wird, ist schon mehr als 100 Jahre alt: Es steht für die Kolonialherrschaft der Deutschen in der früheren deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem Gebiet des heutigen Namibia.

Die Deutschen führten die Passmarke nach Ende des Krieges gegen die Herero und die Nama ein, zwei Bevölkerungsgruppen, die sich gegen die koloniale Unterdrückung gewehrt hatten. Alle Herero ab dem Alter von sieben Jahren mussten sie tragen. Darin eingeprägt sind die Kaiserkrone und ein Gebiet, in diesem Fall Swakopmund. Darunter steht eine Nummer.

Indiviuelle PlakettePassmarke Swakopmund

Passmarke zur Kontrolle

„Jeder bekam eine Nummer, wurde registriert, durfte sich nur in dem jeweiligen Gebiet aufhalten und nicht mehr frei bewegen“, erklärt Sarah Maupeu von der DHM-Bildungsabteilung. Die Passmarke war also ein Kontrollinstrument: Die deutsche Kolonialmacht wollte damit weitere Aufstände verhindern und die Kolonisierten zur Zwangsarbeit einteilen.

Die ovale Original-Passmarke würde sich bei der Berührung von durchschnittlich mehr als 700 Menschen täglich vermutlich nach kurzer Zeit abnutzen oder gar oxydieren. Von den strengen konservatorischen Auflagen ganz zu schweigen. Doch dank der Nachprägung werden die vielfältigen Aspekte von Geschichte begreifbar. Das Deutsche Historische Museum hat sich daher bewusst für diese Kopie der Passmarke entschieden. Zudem erfüllt sie am ehesten die Kriterien, die eine Inklusive Kommunikations-Station erfordert: Geschichte mit allen Sinnen erleben. Mindestens zwei Sinne sollen jeweils an den Stationen angesprochen werden. Die Idee dahinter: Alle sollen einen Zugang zur Ausstellung haben; alle sollen die Möglichkeit haben, den historischen Gegenstand zu erfahren.

Auf die Marke gekommen

Bei der Auswahl der Gegenstände gehe es immer um die Frage: „Welches Objekt ist überhaupt geeignet? Welche Geschichte kann man damit erzählen?“, berichtet Sarah Maupeu. „Uns war sehr schnell klar, dass es auf diese Passmarke hinausläuft“, sagt die Führungsreferentin. Denn die Passmarke stehe für einen bestimmten Themenrahmen – in diesem Fall „Koloniale Herrschaft“ und „Koloniale Weltbilder“. Das Museumsteam sei dann „schnell auf diese Passmarke gekommen“, denn mit ihr könne man sehr viele Geschichten erzählen, erklärt Maupeu. „Man kann über den Krieg sprechen, der davor stattgefunden hat, aber auch aufzeigen, was danach weiter passiert ist, und den Widerstand thematisieren sowie den Völkermord an den Herero und Nama – das sind zentrale Themen in diesem Raum.“

Die Nachprägung der Taler-Passmarke liegt gleich am Anfang der Ausstellung aus. Am Ende des Raumes können Besucher dann die Originalpassmarke in einer Vitrine betrachten – mit spürbarem Aha-Effekt: „Diese Passmarke hatte ich gerade schon in der Hand, so sieht also das Original aus!“

Weitere Infos:

Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart

14. Oktober 2016 bis 14. Mai 2017

Deutsches Historisches Museum

Unter den Linden 2

10 117 Berlin

Disclaimer: Um dem allgemeinen deutschen Sprachgebrauch zu entsprechen, werden unsere Produkte auf dieser Seite als „Münzen“ bezeichnet. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich jedoch um individuell geprägte Medaillen und keine aktuellen oder ehemaligen Zahlungsmittel handelt.